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Der deutsche Staat fördert den Umstieg zum E-Auto mit Kaufprämien und einer Kfz-Steuerbefreiung. Doch lange sah es so aus, als ob das traditionelle Autoherstellerland Deutschland den internationalen Aufbruch Richtung Elektromobilität verschlafe: „Die erste Million E-Auto-Zulassungen haben wir in Deutschland nur sehr mühsam erreicht“, meint Kurt Sigl, der Präsident des Bundesverbands eMobilität (BEM) e. V., „der Weg bis zum Ziel der Bundesregierung von zehn Millionen E-Autos bis 2030 wird jedoch wesentlich leichter.“

Politische Rahmenbedingungen

Vernetzt und klimafreundlich unterwegs

Autor: Walter Liedtke

Der deutsche Staat fördert den Umstieg zum E-Auto mit Kaufprämien und einer Kfz-Steuerbefreiung. Doch lange sah es so aus, als ob das traditionelle Autoherstellerland Deutschland den internationalen Aufbruch Richtung Elektromobilität verschlafe: „Die erste Million E-Auto-Zulassungen haben wir in Deutschland nur sehr mühsam erreicht“, meint Kurt Sigl, der Präsident des Bundesverbands eMobilität (BEM) e. V., „der Weg bis zum Ziel der Bundesregierung von zehn Millionen E-Autos bis 2030 wird jedoch wesentlich leichter.“

Die Würfel für mehr E-Mobilität sind gefallen.
© Stockwerk-Fotodesign / Adobe Stock

Politischer Rückenwind

Sigls Optimismus erscheint begründet: Durch das Erstarken der Klimaschutzbewegung ist in den Köpfen der deutschen Bevölkerung inzwischen ein umfassender Bewusstseinswandel in Gang gekommen. Die Energiewende – weg von der Nutzung fossiler Rohstoffe hin zu Erneuerbaren Energien – und die Mobilitätswende werden von großen Teilen der Bevölkerung unterstützt. Menschen, die ein Hybrid- oder E-Auto fahren, werden heute nicht länger belächelt, sondern dürfen sich als Trendsetter fühlen. Das hat auch mit den politischen Rahmenbedingungen zu tun.

Klimaneutrale Mobilität erreichen

Die Kfz-Steuerbefreiung für E-Fahrzeuge hat nach Einschätzung von Kurt Sigl ihren Sinn erfüllt: „Die Zulassungszahlen gehen derzeit rasant nach oben.“ Aber es werden heute vor allem Plug-in-Hybride gekauft und noch zu wenig reine E-Mobile. Davon profitiert zwar die deutsche Autoindustrie, die derzeit viele Hybridfahrzeuge anbietet. In der nächsten Wahlperiode, regt Sigl an, sollten die Fördererkriterien jedoch verändert werden, damit der Verkehrssektor tatsächlich einen CO2-Reduktionsbeitrag für den Klimaschutz leistet, was heute noch nicht geschieht.

Lange hat die deutsche Autoindustrie ausschließlich auf Verbrennungsmotoren gesetzt, doch das hat sich geändert. „Klimaneutrale Mobilität erreichen wir nur mit technischen Innovationen“, erklärt Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie. Bis 2025 will die deutsche Automobilindustrie insgesamt 150 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien investieren, vor allem Elektromobilität und Digitalisierung: „Wir arbeiten an solchen neuen Angeboten und Alternativen und bringen sie auf die Straße.“ Kurt Sigl bringt den Wandel auf einen einfachen Nenner: „Elon Musk hat es mit dem Tesla vorgemacht. Das werden die anderen adaptieren müssen, ob sie es wollen oder nicht.“

Die Anschaffungsprämie für reine E-Autos ist beträchtlich: Für einen E-Autokauf erhält man (Stand: Februar 2021) eine Förderung von bis zu 9.000 Euro, für Plug-in-Hybride eine Förderung von bis zu 6.750 Euro.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland ist ebenfalls auf einem guten Weg: Im Jahr 2021 wird es hier einen großen Sprung nach vorn geben, schätzt der E-Mobilitätsexperte Sigl.

Viele Busse und Müllwagen in den öffentlichen Fuhrparks sind mit einem E-Antrieb unterwegs, aber noch haben nicht alle Kommunen bei der Beschaffung in diesem Punkt umgedacht. Kurt Sigl meint, die Verantwortlichen in der Politik müssten ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und ausschließlich E-Autos nutzen, wie etwa auch die Bundesregierung. Die von der öffentlichen Hand betriebene Fahrzeugflotte müsse zentral gesteuert elektromobil werden.

Streitpunkt Diesel-Subventionen

Zum Jahresanfang wurde in Deutschland eine CO-2-Steuer auf Benzin und Diesel eingeführt. Die Folge: Autofahren mit Verbrennungsmotoren wird teurer, E-Mobilität entsprechend attraktiver. Kurt Sigl hält den Schritt jedoch für viel zu vorsichtig: „In den skandinavischen Ländern ist man da schon viel weiter“, berichtet er: „Dort ist die CO2-Steuer auf Benzin und Diesel etwa viermal so hoch wie bei uns. Das macht sich dann auch in einem stärkeren Trend zu E-Autos bemerkbar.“ Sein Verband findet die Subventionierung des Diesels in Deutschland besonders ärgerlich: „Wenn wir diese 7,5 Milliarden in die zukunftsträchtige E-Mobilität investieren, etwa bei der Ladeinfrastruktur oder der grünen Energie, die an den Ladepunkten anliegt, dann haben wir etwas richtig Gutes getan.“

BEM-Präsident Kurt Sigl
© Bundesverband eMobilität (BEM)

Zukunftsthema Vernetzte Mobilität

Die intelligente Verbindung von Verkehr und Energie wird ein großes Zukunftsthema, aber auch die Verknüpfung der Verkehrsträger untereinander beschäftigt die Branche: „Dafür muss man innovative Kommunikationstechnologie nutzen“, meint Sigl. Ein Beispiel: Für eine Fahrt von A nach B nutzt man zuerst ein Carsharing-Auto, anschließend einen Bus und dann die Bahn. Wenn man dafür nur einen Buchungs- und Bezahlvorgang brauchen würde, wäre das eine große Erleichterung. Zur intelligenten Mobilität von morgen gehört auch, dass in den weniger genutzten Randzeiten im ÖPNV komfortable E-Minibusse mit sieben oder neun Sitzen statt der üblichen 50-Personen-Busse eingesetzt werden. Hier muss mehr Flexibilität möglich werden, auch bei der Fahrplangestaltung. „Mobility-as-a-service“ lautet der internationale Fachausdruck dafür. „Das muss kommen, sonst kollabieren uns die Innenstädte“, mahnt der Mobilitätsexperte.

Der Verbrennungsmotor – ein Auslaufmodell

Verbandspräsident Kurt Sigl wünscht sich übrigens kein ausdrückliches Verbot der Zulassung von Verbrennungsmotoren bei Autos. Ein solches Verbot wird nach seiner Einschätzung nicht nötig sein. Wenn im Jahr 2030 etwa in Großbritannien keine neuen Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden, sind auch keine Exporte solcher Autos dorthin möglich. Demzufolge wird es sich für die exportorientierte Autoindustrie irgendwann schlicht nicht mehr lohnen, diese Fahrzeuge nur für den deutschen Binnenmarkt anzubieten.